Sind ätherische Öle in Kerzen "besser" als synthetische Duftstoffe? Wir klären auf!
Synthetische vs. ätherische Duftöle in Kerzen – Fakten statt Märchen
Warum „natürlich“ nicht automatisch "gesünder" bedeutet – ein Faktencheck.
Wenn es um Duftkerzen geht, kursiert in sozialen Medien und bei manchen „DIY-Manufakturen“ hartnäckig ein Gerücht: Ätherische Öle seien „gesünder“ oder „natürlicher“ als synthetische Duftöle. Synthetische Öle werden dagegen oft als „Chemie“ und „schädlich“ dargestellt.
Zeit also, mit diesen Mythen aufzuräumen – auf Grundlage von Wissenschaft und Praxis.
1. Was sind ätherische Öle?
Ätherische Öle sind komplexe Mischungen flüchtiger Verbindungen, die durch Destillation oder Pressung pflanzlicher Rohstoffe gewonnen werden.
- Sie bestehen aus Dutzenden bis Hunderten Einzelsubstanzen.
- Viele dieser Bestandteile sind Allergene, z.B. Limonen, Linalool, Citral, Eugenol.
- Sie unterliegen deshalb genauso strengen Kennzeichnungspflichten (CLP, Kosmetikverordnung) wie synthetische Duftstoffe!
👉 Nur weil etwas „natürlich“ ist oder es mit "Bio" beworben wird, bedeutet dies nicht automatisch, dass es ungefährlich ist. Auch ein Giftpilz ist 100 % natürlich und dennoch nicht gesund für den Menschen.
2. Was sind synthetische Duftöle?
Synthetische Duftöle sind parfümistisch entwickelte Mischungen, die naturidentische und/oder künstlich erzeugte Duftstoffe enthalten.
- „Naturidentisch“ bedeutet: chemisch identisch mit einer Verbindung aus der Natur, aber im Labor hergestellt.
- „Synthetisch“ kann auch bedeuten: ein Molekül, das so in der Natur nicht vorkommt, aber einen gewünschten Duftcharakter trägt.
Das ermöglicht große Sicherheit und Konsistenz: ein synthetisches Linalool ist genau dasselbe Molekül wie ein natürliches Linalool, jedoch frei von Schwankungen, Pestizidrückständen oder Ernteabhängigkeit.
3. Verbrennungsverhalten in Kerzen
Kerzen sind kein Aroma-Diffusor. Beim Abbrennen entstehen Hitze und dadurch bedingt Zersetzungsprodukte.
- Ätherische Öle sind flüchtig und hitzeempfindlich. Viele Moleküle zersetzen sich schnell oder verbrennen unvollständig. Dadurch können Reizstoffe entstehen.
- Synthetische Duftöle sind gezielt so formuliert, dass sie hitzestabil sind und den Duft gleichmäßiger freigeben.
👉 Wissenschaftliche Untersuchungen (z. B. IFRA-Richtlinien, toxikologische Bewertungen nach RIFM) zeigen: die Sicherheit hängt nicht davon ab, ob ein Duftstoff „natürlich“ oder „synthetisch“ ist, sondern einzig von Konzentration, Zusammensetzung und natürlich Prüfungen.
4. Allergene & Gesundheitsaspekte
- Ätherische Öle enthalten von Natur aus Allergene, die Kontaktallergien auslösen können.
- Synthetische Duftöle können Allergene enthalten – müssen es aber nicht. Viele Parfümöle sind bewusst so formuliert, dass sie allergenarm sind.
Das Märchen, ätherische Öle seien automatisch „gesünder“, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Im Gegenteil: bei empfindlicher Haut oder Atemwegen sind synthetische Öle oft die bessere Wahl, weil sie gezielt reguliert, geprüft und explizit für den Einsatzzweck (Kerzen, Raumdüfte, Wasch- und Reinigungsmittel, Kosmetika) entwickelt wurden. Wieviel von welcher darin Substanz enthalten ist, kann definitiv festgehalten und deklariert werden, da sie keinerlei Schwankungen z.B. durch Düngemittelrückstände unterliegen. Die Qualität ist exakt reproduzierbar. Das ist der Grund, warum die meisten Hersteller der o.g. Produktgruppen ausschließlich auf synthetische Duftstoffe zurückgreifen - nicht, weil sie etwa "billiger" sind, denn das ist nicht der Fall.
5. Nachhaltigkeit & Umweltaspekt
- Ätherische Öle erfordern riesige Mengen an Pflanzenmaterial. Für 1 kg Rosenöl werden z. B. 3–5 Tonnen Blüten benötigt. Das hat ökologische Folgen. Da hilft auch das Schein-Argumentieren mit Begriffen wie "Bio", "natürlich" und "nachhaltig" nicht :-)
- Synthetische Duftstoffe sind in der Herstellung oft ressourcenschonender und unabhängiger von Ernten und Monokulturen.
Wir finden es sehr skurril, dass exakt die gleichen Leute, die angeblich so viel Wert auf "Umwelt" und "Nachhaltigkeit" legen, dann ausgerechnet Produkte verwenden, die genau das nicht sind :-). Auch hier zeigt sich einmal mehr, dass Narrative nicht totzukriegen sind, weil Menschen sich nicht selbst informieren, sondern blind wiederholen, was andere irgendwann mal im Netz an Halbwissen verbreitet haben.
6. Regulierung & Sicherheit
- Synthetische Duftöle werden kontrolliert nach strengen Standards entwickelt (IFRA, RIFM), toxikologisch bewertet und auf ihre sichere Verwendung geprüft. Ihre Bestandteile sind klar zu benennen, ohne Schwankungen bedingt durch die Natur.
- Ätherische Öle gelten zwar als „natürlich“, müssen aber ebenso nach CLP gekennzeichnet werden – und enthalten teils dieselben Gefahrenpiktogramme wie synthetische Öle! Leider ist gerade im Gewerbe der Kerzenmacher jede Menge völlig unregulierte Ware auf dem Markt. Wir empfehlen deshalb, nur bei Profis zu kaufen. Auf Plattformen findet man oft unsichere Produkte, die von Laien ohne jegliche Fachkenntnis und natürlich auch die vorgeschriebenen Standards und Kennzeichnungen hergestellt werden.
👉 Am Ende zählt nicht „natürlich“ vs. „synthetisch“, sondern ob ein Duftöl nach geltenden Standards geprüft und richtig eingesetzt wird. Und natürlich muss auch die Deklaration korrekt sein, damit ein Produkt wirklich sicher in der Verwendung ist.
Fazit: Mythos entlarvt
Das Märchen „Ätherische Öle sind gesünder, synthetische Duftöle sind schädliche Chemie“ hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand.
- Beide sind „Chemie“ – jedes Duftmolekül, egal ob aus der Pflanze oder aus dem Labor, ist ein chemischer Stoff.
- Ätherische Öle bergen durch nicht konstant reproduzierbare Performance nicht zu vernachlässigende Allergie- und Reizrisiken, synthetische Öle können gezielt sicherer formuliert sein.
- Für die Verwendung in Kerzen sind synthetische Duftöle oft geeigneter, weil sie stabiler und berechenbarer abbrennen, da sie exakt für diesen Einsatzzweck konzipiert wurden.
Ehrlichkeit statt Märchen: Entscheidend ist demnach nicht, ob auf dem Etikett „natürlich“ oder „synthetisch“ steht, sondern eine saubere Formulierung, transparente Deklaration und vor allem fachgerechte Herstellung nach gesetzlich vorgeschriebenen Standards, die in der EU sehr streng sind
Wenn also mal wieder jemand damit wirbt, "keinen Chemiedreck" in seine "natürlichen" oder "biologischen" Kerzen zu mischen, kannst Du Dir zumindest einer Sache sicher sein: von Duftstoffen hat diese Person wenig Ahnung, ist aber sehr gut in Mitbewerber-Bashing und Kundenmanipulation.
Und um qualitativ hochwertige und sichere Kerzen herzustellen und diese gesetzeskonform zu labeln, ist ein gewisses Grundwissen auf diesem Themengebiet unerlässlich. Leider fehlt dies vielen Manufakturen und Bastlern auf DIY-Plattformen.
Wir bei RockstarCandle befassen uns als Hersteller von Kerzen eingehend mit der Materie und verwenden deshalb synthetische Duftöle aus EU-Produktion, die auch für den Einsatz in Kosmetika eine Zulassung haben. Unsere Produkte sind selbstverständlich gesetzeskonform etikettiert (CLP-Label) und besitzen -wenn die Inhaltsstoffe und die Konzentration selbiger es erfordert- einen UFI-Code, der als PCN-Meldung eingereicht wurde und bei den Giftnotrufzentralen verfügbar ist.
Verzichten Hersteller auf diese Angaben, ist das nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch gefährlich. All das macht unsere Arbeit kompliziert. Es kostet viel Zeit und Geld, doch das zeichnet uns eben auch aus: Sachkenntnis, die in die Tiefe geht, statt oberflächliches Marketinggebrüll!
Eines steht auf jeden Fall fest: lüften ist beim Abbrennen von Kerzen unerlässlich. Völlig egal, welche Art von Duftöl und Wachs Deine Kerze enthält.
